Bei der Anmeldung für die Jahrgangsstufe I des Kollegs (K I) müssen Sie sich entscheiden, welche Sprache Sie (neben Englisch) als zweite Fremdsprache lernen wollen. Die folgenden Gesichtspunkte sollen Hilfen geben für die Wahl zwischen

Latein

  • Wählen Sie Latein, wenn Sie eher ein wissenschaftlicher Lerntyp sind, der gerne liest und für sich studiert.
  • Latein ist die Sprache der Studien bzw. der Wissenschaft. Als solche erfüllt Latein eine Basisfunktion in der technologischen Terminologie und im Bereich der Fremdwörter. Die Ableitung der Fremdwörter aus dem Lateinischen ist für das Deutsche bedeutsam, gilt aber in noch weit größerem Maße für das Englische und natürlich für die romanischen Sprachen wie z. B. das Französische, Italienische, Spanische.
  • Latein vermittelt durch seinen systematischen Aufbau und die strenge Logik ein Sprach- und Grammatikverständnis, das für die Beschäftigung mit der Muttersprache (beispielsweise für die sprachliche Analyse von Texten im Deutschunterricht) und das Erlernen von Fremdsprachen eine ideale Basis bietet. Darüber hinaus ermöglicht es eine Denkschulung, die mit der des Faches Mathematik vergleichbar ist. Wegen der stringenten Logik des Lateinischen entspricht dieses Fach in besonderem Maße den Anforderungen erwachsenengemäßen Lernens.
  • Die lateinische Sprache bildet die Grundlage der abendländischen Kultur und Philosophie bis in die Gegenwart. Griechische wie römische Philosophie bieten eine intellektuelle Bereicherung und Denkmodelle zur praktischen Lebensbewältigung.
  • Am Bayernkolleg können sowohl die „Gesicherten Lateinkenntnisse“ (früher: „Kleines Latinum“) als auch das „Latinum“ erworben werden. Vor allem die „Gesicherten Lateinkenntnisse“ werden von den Universitäten und Hochschulen für das Studium vieler sprachlicher und geisteswissenschaftlicher Fächer vorausgesetzt, auch beispielsweise für das Studium des Lehramts (Gymnasium) in Bayern. Die konkreten Regelungen für die einzelnen Studienfächer sind je nach Bundesland und Universität verschieden.
    Für das Erreichen der „Gesicherten Lateinkenntnisse“ ist keine Abiturprüfung in Latein erforderlich; sie werden am Ende des zweiten Lateinjahres am Bayernkolleg durch den Abschluss mit mindestens 5 Punkten (= Note 4) ohne zusätzliche Prüfung erworben. Für das „Latinum“ muss nach Durchbelegung bis in die K III eine mündliche Abiturprüfung im Fach Latein abgelegt werden. Dabei darf weder die Vornote noch die Note der Abiturprüfung schlechter als 5 Punkte (= Note 4) sein.
  •  Informationsblatt „Vom Sinn des Lateinlernens“

Französisch

  • Wählen Sie eher Französisch, wenn Sie zum Lernen das Gespräch brauchen und gerne Sprachen oder Dialekte nachahmen. Die aktive Kommunikation ist beim Erwerb einer modernen Fremdsprache genauso wichtig wie das Lesen und stille Lernen.
  • Das Französische ist als Tochtersprache des Lateinischen klar und logisch aufgebaut, was vielen Lernern dabei hilft, sich bereits nach kurzer Zeit mündlich und schriftlich sicher auszudrücken. Ein modernes Lehrbuch, das Sie dazu einlädt, sich mit der Lebensweise junger Franzosen in Beruf, Schule und Freizeit auseinanderzusetzen und kulturelle Unterschiede zu reflektieren, unterstützt Sie mit vielen kommunikativen Übungen auf Ihrem Weg zum/zur aktiven Sprecher/in und informiert Sie gleichzeitig umfassend über unser Nachbarland.
  • Französisch wird nicht nur in einigen Ländern Europas, z. B. in Belgien und der Schweiz, sondern auch in den ehemaligen französischen Kolonien und Einflussgebieten in Afrika und Asien gesprochen. Sie erwerben mit dem Französischunterricht also Kenntnisse in einer Weltsprache.
  • Frankreich ist unser Nachbar, mit dem uns Deutsche eine lange Geschichte verbindet. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Staaten sind gute Kenntnisse des Französischen auch im Berufsleben ein unbestrittener Vorteil.
  • Grundkenntnisse des Französischen werden an allen deutschen Universitäten für das Studium anderer romanischer Sprachen vorausgesetzt.
  • Ziel des Französischunterrichts am Kolleg ist eine gute Sprachbeherrschung, die Kontakte nach Frankreich ermöglicht, sowie sichere Grundlagen für eine berufliche Tätigkeit oder ein Universitätsstudium in einem französischsprachigen Land legt.

Russisch

  • Wählen Sie Russisch, wenn Sie bereits über muttersprachliche oder sehr gute Russischkenntnisse verfügen. Falls Sie keine Vorkenntnisse haben, können Sie ebenfalls Russisch wählen; das Zustandekommen eines Anfängerkurses ist jedoch abhängig von der Teilnehmerzahl.
  • Russisch ist eine der großen Weltsprachen (260 Millionen Menschen sprechen Russisch) und eine internationale Konferenzsprache. Russisch wird in allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion verstanden.
  • Russisch ist die wichtigste Einzelsprache innerhalb der slawischen Sprachengruppe, die die größte in Europa ist. Also ermöglichen Russischkenntnisse auch die Verständigung in anderen slawisch sprechenden Ländern (Polen, Tschechien usw.) und erleichtern das Erlernen anderer slawischer Sprachen.
  • Im Bereich Wissenschaft und Technik nimmt Russisch hinter Englisch die zweite Stelle ein. Ein Drittel der Fachliteratur erscheint auf Russisch, sodass Russischkenntnisse den Zugang zu einer Reihe von wissenschaftlich-technischen Spezialgebieten erleichtern.
  • Russischkenntnisse verbessern die Berufschancen, da immer mehr westliche Firmen in Russland oder anderen slawischen Staaten investieren und immer häufiger Mitarbeiter mit Russischkenntnissen suchen.
  • Der Russischunterricht will nicht nur Sprachkenntnisse vermitteln, sondern auch das Interesse für russische Kultur (Musik, Film, Theater) wecken und in die russische Literatur einführen, die mit ihren Vertretern (wie Puschkin, Gogol, Tolstoj, Tschechow) einen bedeutenden Teil der Weltliteratur darstellt. Auch die Lektüre von modernen russischen Autoren, die im Westen leider wenig bekannt, aber faszinierend zu lesen sind, steht auf dem Programm.