Was aus uns geworden ist
Eine Veranstaltung des Fördervereins mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Bayernkollegs
Schulleiterin Monika Joachim wies bei ihrer Begrüßung von vier ehemaligen Absolvent/-innen auf die Besonderheit der diesjährigen Veranstaltung hin. Sie fand zum 15. Mal in der Form eines Podiumsgespräches statt, was ein kleines Jubiläum bedeutete. Und zum anderen war auch die Moderatorin eine Ehemalige, die langjährige Lehrerin für Geographie, Deutsch und Geschichte am Bayernkolleg, Ilse Gebhardt-Gögercin, die die Veranstaltungsreihe vor 15 Jahren mitbegründet hatte.
Der Einladung waren gefolgt (von links): Sabrina Benz, Abitur 2015, heute Polizistin in Schweinfurt; René Wohlfart, Abitur 1995, heute 1. Bürgermeister in Kürnach im Lkr. Würzburg; Michelle Zirkel, Abitur 2014, heute wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für englische Didaktik an der Uni Bamberg und Sabine Heusinger, Abitur 2016, heute Berufsschullehrerin in Münnerstadt.
Gemeinsam war den diesjährigen Podiumsgästen ihre Herkunft aus Familien, bei denen der Besuch einer weiterführenden Schule und ein Studium nicht unbedingt vorgesehen waren. Sie alle waren die ersten in ihren Familien, die Abitur machten. Gemeinsam war ihnen auch, dass sie sich für das Bayernkolleg entschieden haben, weil sie von der guten und familiären Atmosphäre gehört hatten und sich für das Erlernen der zweiten Fremdsprache genügend Zeit nehmen wollten. Sie hatten bei Eintritt ins Kolleg alle ein Ziel vor Augen, für das man gute Noten brauchte. Sabrina Benz wollte als gelernte Krankenschwester ein Medizinstudium aufnehmen. René Wohlfart hatte die vage Idee, Pilot werden zu wollen. Michelle Zirkel und Sabine Heusinger dachten damals schon an ein Lehramtsstudium, waren sich aber über die Fächerwahl noch nicht sicher.
Während der drei Jahre am Bayernkolleg kamen aber noch andere Überlegungen dazu. Für Sabrina Benz wurde klar, dass sie noch möglichst jung auch eine Familie gründen möchte. Da das Medizinstudium lang ist und dann auch Wochenend- und Nachtdienst einfordert, sah sie sich nach anderen Möglichkeiten um. Sie hat gerne mit Menschen zu tun, sie liebt Sport und liebt es auch, draußen zu sein. Das alles schien ihr der Polizeidienst zu bieten, der ihr durch Weiterbildung auch jede Menge Aufstiegschancen aufzeigt. So war es auch nicht verwunderlich, dass sich viele der jungen Kollegiatinnen und Kollegiaten im Anschluss an die Veranstaltung noch mit Frau Benz unterhielten und sich nach den Aufnahmebedingungen bei der Polizei erkundigten.
René Wohlfart absolvierte nach dem Abitur erst noch seinen Zivildienst, bevor er dann tatsächlich eine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer machte. Er flog dann zunächst bei Augsburg Airways und dann 12 Jahre für Air Berlin. Als Vorsitzender der Personalvertretung Cockpit wickelte er die Insolvenz von Air Berlin so arbeitnehmerfreundlich wie möglich mit ab. Im Anschluss entschied er sich, die Pilotenuniform an den Nagel zu hängen, um mehr Zeit mit seinen vier Kindern und seiner Familie verbringen zu können. Er nahm ein Studium an der Akademie der Arbeit an der Goethe-Universität in Frankfurt auf und arbeitete als Gewerkschaftssekretär, bis er 2020 zum 1. Bürgermeister der Gemeinde Kürnach im Landkreis Würzburg gewählt wurde. Die Schülerinnnen und Schüler staunten nicht schlecht über diese Auf und Abs eines bewegten Berufslebens und nahmen René Wohlfarts Appell, dass der Lebensweg nie vorgezeichnet sein muss, sondern dass man ihn stets selbst gestalten kann, dankbar auf.
Michelle Zirkel studierte Lehramt für das Gymnasium in den Fächern Englisch, Französisch und Spanisch, weil sie sich schon immer für Sprachen begeistert hatte und weil ihr der Fremdsprachenunterricht am Bayernkolleg so viel Gewinn und persönliche Energie gebracht hat. Während des Studiums entdeckte sie allerdings, dass ihr die Mitarbeit in Forschungsprojekten und die Forschung an sich noch viel mehr Spaß machen als das Unterrichten selbst. Und so packte sie die Gelegenheit beim Schopf und begann nach dem 1. Staatsexamen nicht mit dem Referendariat, sondern ging als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Uni Bamberg, wo sie jetzt auch ihre Doktorarbeit schreibt über das Potenzial von VR-Brillen für den erfolgreichen Fremdsprachenunterricht.
Bei Sabine Heusinger war das Berufsziel, Lehrerin werden zu wollen, von Anfang an klar, lediglich die Fachrichtung änderte sich. Statt wie ursprünglich gedacht, Berufsschullehrerin für medizinische Berufe zu werden (dafür hätte sie in München studieren müssen, was sie nicht wollte), entschied sie sich für sozialpädagogische Fächer an der Uni Bamberg und erwarb dort auch noch das Staatsexamen zur Beratungslehrkraft.
Unisono äußersten sich alle vier, dass die Jahre am Bayernkolleg ihre schönste Schulzeit waren, dass sie sich gerne an die vielfältigen Unternehmungen und die tollen Klassengemeinschaften erinnern und dass die Einladung zu „Was aus uns geworden ist“ sie mit Stolz erfüllt hätte, so dass sie alle gerne uns sofort zugesagt haben.
Text und Foto: Ilse Gebhardt-Gögercin