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Notre voyage à Lyon

Unsere Reise nach Lyon

Lyon, eine Stadt, die der ein oder andere Schüler am Bayernkolleg – sofern Französisch als zweite Fremdsprache gewählt wurde – aus dem im Unterricht verwendeten Schulbuch kennen muss. Nun stellte sich immer wieder die Frage, ob die beschriebenen Orte, wie auch Geschäfte, Schulen usw. auch tatsächlich existieren oder nur erfunden sind, um die Geschichten der Schulbuch-Protagonisten glaubwürdig zu gestalten. Als es an der Zeit war, Klassenfahrten zu planen, entschieden wir gemeinsam mit unserer Lehrerin Dorothee Seidlmayer, Lyon einen Besuch abzustatten und nach bereits bekannten Orten zu suchen. Nachdem sie für uns die letzten Zug-Angebote abstauben konnte, trafen wir uns am 16. Juli um halb 12 zur Fahrt nach Lyon. Zunächst traten wir eine circa zweistündige Fahrt nach Frankfurt am Main an, von wo wir in den TGV zur Weiterfahrt nach Lyon umstiegen. Nun hieß es für alle, aber ganz besonders für die Raucher, Geduld zu üben, denn die Fahrt dauerte 8 Stunden. Allerdings erschien es doch halb so wild, denn Gesprächsstoff und Spiele, wie aber auch die hohe Anzahl an Tabakkonsumenten und die – vermutlich – daraus resultierende Wartezeit an Bahnhöfen, sorgte für eine kurz erscheinende Zugfahrt ohne Langeweile und schlechtem Nikotinspiegel. Endlich in Lyon angekommen, überprüften wir auch gleich zur Orientierung unsere erlernten Fähigkeiten. Erstaunlich einfach fanden sich der richtige Weg vom Bahnhof zur Metro und die richtige Linie zum Erreichen der Jugendherberge. Allerdings kam, neben dem schwülwarmen Wetter eine kleine Etappe hinzu: Der kurze, aber mit Gepäck doch mühsam zu bewältigende „Montée du Chemin Neuf“, der Hügel, auf dem sich die „Auberge de Jeunesse du Vieux Lyon“ (dt. Jugendherberge) befand. An der Rezeption kam es erneut zur Überprüfung unserer Sprachfähigkeiten, allerdings stellte sich dies als sehr schwierig heraus, denn wie es so im Ausland ist: Muttersprachler sprechen schnell und „unverständlich“, so dass 90% des Inhalts nicht verstanden wurden, außer natürlich von der Lehrkraft. Nach Mitteilung der Hausordnung, bezogen wir unsere Zimmer und trafen kurze Zeit später auf der wunderschönen Terrasse mit Blick auf die gesamte Stadt, um den weiteren Tagesverlauf zu planen. Dies ging auch recht schnell, denn es herrschte ein sehr eindeutiger Konsens: ESSEN. Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg, um Essen zu ordern. Dennoch gab es Schwierigkeiten: Einer wollte traditionelle Lyoner Küche, die bei einem Nicht-Ortskundigen zunächst ein Gefühl von Ekel hervorruft, weshalb der Rest etwas unschlüssig war. Nachdem wir aber erfuhren, dass die Restaurants der Altstadt schließen, entschieden wir uns, auf die andere Seite der Rhône zu gehen, wo wir auch bald ein italienisches Restaurant sichteten. Nicht typisch französisch, doch lecker war es trotzdem! Nach einem schönen Abendessen auf den Straßen Lyons, machten wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang bei Dunkelheit und traten den Heimweg an, um für den nächsten Tag ausgiebig Energie zu tanken.

Aufgestanden am nächsten Tag, sammelten wir uns zum Frühstücken. Das Angebot war relativ simpel, doch für den Preis der Unterkunft absolut in Ordnung. Baguette mit wahlweise Butter, Käse, Marmelade oder Nutella, aber auch Müsli-Liebhaber und notorische Kaffeetrinker kamen auf ihre Kosten!

Gestärkt ging es nach einem kurzen Briefing in die Stadt, diesmal mit der nostalgischen Standseilbahn direkt ins Zentrum. Zu Fuß erkundeten wir die schönen Gassen der Altstadt und Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie beispielsweise die Cathédral Saint-Jean-Baptiste oder die Place de Terreaux. Bei der Erkundung durfte natürlich auch ein Besuch des Stadtmuseums nicht fehlen, bei dem wir über die gesamte Geschichte der Stadt und insbesondere über die französische Revolution und der deutschen Besatzung in Lyon Informationen gewinnen konnten. Da die Geschichte über die Résistance in Lyon doch sehr interessant erschien und ein Schüler nach den „Geheimgängen“ fragte, forschten wir selbst und fanden Wege durch Türen, die einen unbemerkt in andere Straßen leiteten. Gegen Abend kam es erneut zu der Frage, wo gegessen wird, jedoch einigten wir uns auf „Brotzeit“ nach französischer Art: Baguette, mit verschiedenen Käse- und Fleischspezialitäten, andere Kleinigkeiten und dazu einen leckeren Rotwein. Nach netten Unterhaltungen, bei schönem Abendwetter ließen wir den Abend ausklingen und gingen zu Bett.

Der nächste Tag begann mit einer Fahrt in den – ebenfalls aus dem Buch – bekannten Parc de la Tête d’Or, eine riesige Parkanlage mit Zoo, Freizeitmöglichkeiten und einer Dampflok. Einige ließen sich nicht lumpen und unternahmen eine Fahrt mit diesem Zug - für sagenhafte 3€ - in der Hoffnung einen Eindruck über den gesamten Park zu bekommen. Allerdings stellte sich die Fahrt als eine Kinderattraktion heraus, die eine große kleine Runde fuhr, die aber aufgrund der „hohen“ Geschwindigkeit, sich auf unerträgliche Zeit hinauszögerte. Anschließend fuhren einige wieder in die Stadt, besuchten Museen, machten Einkäufe oder tranken Kaffee zum sogenannten „People-Watching“. Nach einiger Zeit traf man sich an einem großen Platz, um von dort gemeinsam eines der berühmten Lyoner Restaurants zu besuchen. Einige aßen typisch französische Gerichte, ein anderer probierte sich an der Lyoner Küche. Auf den Tisch kam ein Drei-Gänge-Menü, z.B.: Salat mit Käse und Rinderfüßen, einen Eintopf mit Kalbskopf und Hähnchen-Leber-Knödel und als Nachtisch Armer Ritter mit Brioche, Karamell-Eis und Karamell-Soße. Nach diesem fabelhaften Essen endete leider auch der Abend, denn mit gepackten Koffern traten wir am nächsten Tag die Heimreise an. Alles in allem eine gelungene Klassenfahrt, mit wunderschönen Eindrücken und dem Beweis im Hinterkopf, dass es selbst die Schule aus dem Französischbuch tatsächlich gibt! Für alle Reiseliebhaber ein empfehlenswerter Hot-Spot in Sachen Frankreich!

Steve Kastner, KII